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Kurzer Überblick über das Leben von

Karl Richter

Namensgeber des Vereins


Karl Richter mit Schwester (mitte) und Bruder (rechts), 1916

Am 15. Juli 1904 wurde Karl Richter als Sohn von Martha und Carl Richter geboren. Karl Richter wurde in Prenzlauer Berg geboren. Dieser Stadtteil gehörte damals schon zur Stadt Berlin. Der Vater war von Beruf Zimmermeister. Der Vater verunglückte im Jahr 1920 tödlich bei einer Dachreparatur. Auch nach seinem Tod hat die Mutter mit Witwenrente und den Ersparnissen den Kindern den Abschluß der Lehre ermöglicht. 1918 hatte Karl die Schule abgeschlossen. Er machte sich mit seinem Schulzeugnis auf den Weg, um sich bei Firmen um eine Lehrstelle zu bewerben. Schon die erste Firma, „Büttner“ an der Jannowitzbrücke, stellte ihn ein. Es war eine Buchdruckerei mit Tiegel-Druckmaschinen und Zylinderpressen mit Handanlage.

Die Lehrzeit dauerte damals noch vier Jahre. An einem Tag in der Woche war Berufsschulunterricht. Zur Lehre gehörte auch die Verpflichtung zur Fortbildung. Diese sollten die Lehrlinge allerdings außerhalb der Arbeitszeit durchführen. Dies war der Anlaß für die erste Arbeitskampfmaßnahme, an der Karl teilnahm. Die Lehrlinge streikten einen Tag, um die Fortbildungsverpflichtung in die Arbeitszeit im Betrieb zu verlegen.

Das politische Interesse von Karl führte dazu, daß er am 1. Mai 1920 Mitglied der Berliner Arbeiterjugend (SAJ) wurde. Die Beschäftigung mit Literatur, Gesang und die Wanderungen am Wochenende ins Brandenburger Umland gehörten zu den für ihn wichtigen Gemeinschaftserlebnissen. Nicht rauchen und trinken gehörte zu den bis heute beibehaltenen Lebensgrundsätzen.

Mitglied der Gewerkschaft konnte er mit Beginn seiner Lehrzeit noch nicht werden. Die Gewerkschaft der Buchdrucker (Verband der Deutschen Buchdrucker) oganisierte ausschließlich ausgelernte Gehilfen und nahm grundsätzlich keine Lehrlinge auf. Erst am 1. Oktober 1920 wurde die Lehrlingsabteilung des Verbandes der Deutschen Buchdrucker gegründet. Die Gründungsvernstaltung der Berliner Lehringsabteilung fand am 6. Oktober 1920 statt. Karl Richter war vom ersten Tag an dabei.

Die Lehrlingsabteilung war eine vom Buchdruckerverband gegründete und geleitete Organisation für die Lehrlinge. Mitglied der Gewerkschaft konnte man man erst werden, wenn man ausgelernt hatte. Dann wurde allerdings die Zeit der Mitgliedschaft in der Lehrlingsabteilung rückwirkend anerkannt.

Mit dem erfolgreichen Abschluß der Lehre fand mit der damals üblichen Gautschfeier die feierliche Aufnahme in den Kreis der Buchdruckergehilfen statt. Mit dem Abschluß der Lehre wurde Karl dann auch offiziell Mitglied des Verbandes der Deutschen Buchdrucker.

Schon am 9. oder 10. Oktober 1922 kündigte Karl seine Stellung in der Firma Büttner und suchte sich eine neue Arbeit.


1923 - Karl Richter auf der Walz (rechts Walter Oschilewski)

Im Mai 1923 machte sich Karl gemeinsam mit seinem Kollegen, dem späteren Schriftsteller und Journalisten Walter G. Oschilewski auf die Wanderschaft. Hierfür wurde vorher das Mitgliedsbuch des Verbandes der Deutschen Buchdrucker umgetauscht in das Quittungsbuch für die Wanderschaft. Die Buchdruckergewerkschaften zahlten den auf Wanderschaft befindlichen Gehilfen ein sogenanntes Viatikum als Reisegeld und halfen bei der Arbeitssuche am jeweiligen Ort. 1924 erhält Karl eine feste Anstellung in einer Berliner Druckerei. 1928 absolviert er eine Umschulung zum Rotationsdrucker. Sie dauert vier Wochen, wie im Buchdruckertarif vorgesehen. Später wurde Karl Maschinenführer in der Rotation.

In den 1920er Jahren wählten ihn seine Kollegen zum gewerkschaftlichen Vertrauensmann und zum Vorsitzenden des 5. Berliner Bezirks des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. So hieß damals der Gau Berlin des Verbandes der Deutschen Buchdrucker.

1933 wurde Karl wegen seiner politischen und gewerkschaftlichen Tätigkeit entlassen. Sein Einspruch gegen die Entlassung führte wegen der Unterstützung seiner Betriebsrats-Kollegen und der Geschäftsleitung zur Wiedereinstellung. Die Mitglieder des Verbandes der Deutschen Buchdrucker wurden von den Nationalsozialisten zwangsweise in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt. In der Nazi-Zeit wurde Karl Richter Mitglied der Widerstandsgruppe Schneider.

Den Krieg erlebte und überlebte Karl seit 1939 als Mitglied eines Baubatallions der Wehrmacht. Am 7. April 1946 kehrte er aus der Gefangenschaft nach Berlin zurück. Kurz nach seiner Rückkehr nach Berlin wurde Karl zum Bezirkssekretär der SPD für Gewerkschafts- und Betriebsarbeit gewählt. Gleichzeitig war er auch in der Industriegewerkschaft Graphisches Gewerbe und Papierverarbeitung im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund aktiv. Diese hatte im Dezember 1946 in Groß-Berlin 13.647 Mitglieder organisiert.


Karl Richter auf dem Gewerkschaftstag Drupa 1948 (mit , rechts)

1948 begann sich in Berlin die innergewerkschaftliche Opposition (UGO = Unabhängige Gewerkschaftsopposition) gegen die Dominanz und Vorherrschaft der SED zu organisieren. Der Konflikt erreichte seinen Höhepunkt auf der Stadtkonferenz des FDGB Groß-Berlin am 21. Mai 1948. Von 573 gewählten Delegierten bekannten sich 280 zur UGO. Ca. 100 konnten jedoch ihr Mandat nicht wahrnehmen. Nach einer längeren Auseinandersetzung verließen die sich zur UGO bekennenden Delegierten die Konferenz. Die Spaltung der Gewerkschaft war nicht mehr aufzuhalten.

Am 7. Juni 1948 fand die Delegiertenkonferenz der Industriegewerkschaft Graphisches Gewerbe und Papierverarbeitung im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund, von der die Westberliner Delegierten erst kurz zuvor erfuhren. Die Westberliner Delegierten der UGO im Graphischen Gewerbe und der Papierverarbeitung gründeten kurze Zeit später, am 29. Juni 1948, den Graphischen Industrieverband (Graphischer Bund) innerhalb der UGO. Die Bezeichnung Graphischer Bund erinnert daran, daß es bis 1933 in Deutschland 5 Berufsgewerkschaften für das Graphische Gewerbe gab: Verband der Deutschen Buchdrucker, Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands, Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe, Verband der graphischen Hilfsarbeiter und -arbeiterinnen sowie den zum Christlichen Gewerkschaftsbund gehörenden Gutenberg-Bund. Die vier ersten Verbände hatten 1920 den Graphischen Bund als Koordinationsebene geschaffen, sich jedoch nicht zu einer gemeinsamen Industriegewerkschaft zusammengeschlossen.

An diesem Tag nahm auch der provisorische geschäftsführende Vorstand des Graphischen Industrieverbandes (GIV) seine Arbeit auf. Seine Mitglieder waren Fritz Naujoks, Artur Petzold, Karl Richter, Frieda Esker-Rex, Eduard Bernoth, Willi Bunn, Karl Renner, Bruno Riedel und Arthur Sadina.


Karl Richter am 1.Mai 2004 (mit Constanze Lindemann und Jörg Borchardt)

Die Graphischen Nachrichten, das Mitteilungsblatt des Graphischen Industrieverbandes (Graphischer Bund) vom November 1948 weist den Kollegen Karl Richter als 2. Vorsitzenden, Vertreter für Betriebsratsfragen aus. Auf dem 1. Verbandstag des GIV am 27. März 1949 wurde Karl Richter mit 152 von 165 abgegebenen Stimmen zum 2. Vorsitzenden gewählt.

Später wurde Karl Richter erster Vorsitzender des Gau Berlin der Industriegewerkschaft Druck und Papier und blieb es, bis er 1969 in den verdienten Ruhestand ging.

Karl Michael Scheriau


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